Wolfgang Amadeus Mozart:

Joannes Chrisostomus Sigismundus Amadeus Wolfgangus Mozartus

9 Briefe an das Bäsle

Ein mozärtlicher Abend

gespielt

in Wort und Ton 

zum 250sten Geburtstag 

von

W. A. Mozart 2006

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Liebe Gäste,

 

über die Briefe, die Sie heute abend hören werden, ist viel geschrieben, viel geforscht worden. Wir möchten nichts hinzufügen. Wir möchten Sie Ihnen vorstellen, die Briefe, den Schreiber, die Empfängerin und die Musik, die der Schreiber komponiert hat.

 

Manche von Ihnen werden sich wundern, vielleicht sogar empört sein: So soll Mozart gewesen sein. Das Genie? So ein ungebändigter, so ein alberner, so ein...?

 

Wir haben bei unserer Probenarbeit versucht, ihn zu verstehen, den Schreiber dieser deftigen Briefe.

 

Bei der Lektüre einschlägiger Mozart-Literatur stößt man im Zusammenhang mit den Bäsle – Briefe und Mozart auf die Begriffe Koprolalie und Skatologie.

Unter dem ersten versteht man eine krankhafte Neigung zum Aussprechen unanständiger und obszöner Worte, das Zweite meint eine nicht krankhafte, aber doch Vorliebe für das Benutzen von Ausdrücken aus dem Analbereich.

 

Beidem kann ich nach meiner Beschäftigung mit den Briefen nicht zustimmen.

 

Unser Mozart schreibt seine Briefe in einem ersten Frühlingserwachen,

voller Übermut, und mit der großen Sehnsucht, manchmal auszubrechen...

 

Aus dem ständigen Druck, dem er seit frühester Kindheit durch den Vater und vielen strapaziösen Konzertreisen ausgeliefert war, aus dem eigenen Hirn, das permanent Musik komponiert hat. Sie war immer in ihm, die Musik

 

In der ersten aufkeimenden Liebe aber, sprüht das Hirn Worte, Wortspiele.

 

Manchmal, oder auch öfters Fäkalausdrücke, an denen wir in unserer Zeit Anstoß nehmen. Zu Mozarts Zeit war es ganz normal. Jeden Morgen erkundigte der Vater Leopold Mozart sich, ob sich die Familie auch ausgeleert hat. Verdauung und alles was mit dem Darmtrakt in Verbindung gebracht wird, war ein Thema, das bei dem damaligen Stand der medizinischen Kenntnisse als lebenserhaltend galt.

 

Erschrecken Sie also nicht über diesen Mozart, der so von dem Bild, das wir uns von einem Genie machen wollen, abweicht. Mozarts Genius ist für uns wohl kaum mehr fassbar, aber er war ein Mensch.

 

Umso verständlicher meinen wir, daß er Fluchtwege suchte, um das Genie manchmal zu überwinden und sein Menschsein zu spüren. Sein Kollege Richard Strauss suchte diese Entspannung im Skatspiel. Auch das habe manche belächelt.

 

Wir sind halt weit vom Begreifen eines Genies entfernt.

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Die „ Bäsle – Briefe“ schrieb Mozart nach seinem Besuch in Augsburg vom 11. Oktober bis zum 26. Oktober 1777 an Maria Anna Thekla, der Tochter seines Onkels Franz Alois Mozart. Mit ihrer derb - deftigen, übermütigen Sprache lernen Sie hier einen Mozart kennen, der sicher nicht den Vorstellungen einer breiten Masse entspricht. Fast kindlich – naiv, mit überschäumender Phantasie , mit Witz, Spaß und Ausgelassenheit, nicht ohne Selbstironie, befreit sich das Genie von dem inneren Zwang des ständigen Schaffens. Kaum ein Wort, das ernst zu nehmen ist, doch hinter allem auch ein junger Mann im Frühlingserwachen.

Leider sind nur 9 Briefe Mozarts erhalten, die Antwortbriefe des „ Bäsle“ sind verlorengegangen, so haben wir in unserer Bearbeitung, die 9 Briefe Mozarts zischen Wolfgang und dem Bäsle aufgeteilt. So erleben Sie Mozart beim Schreiben und das Bäsle beim Lesen der Briefe und ... ein bisschen mehr..

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