Liebesfreud und Liebesleid
nach 3 Einaktern von Anton Cechov
Der Titel unseres Cechow-Abends ist eine Anleihe bei dem berühmten Geiger und Komponisten Fritz Kreisler ( 2.2. 1875 – 29.1.1962 ).
Zwei seiner Geigenstücke, die er als Alt-Wiener Tanzweisen bezeichnete, heißen Liebesfreud und Liebesleid.
Er spielte sie oft als Zugabe bei seinen Konzerten. Wir spielen diese Stücke als Klammer um die Pause. Sie sollen Sie in die Pause hineinbegleiten ( Liebesfreud ) und wieder hinaus als Übergang in den zweiten Teil des Abends. ( Liebesleid )
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Bei der Probe
Probenfoto Der Heiratsantrag 1
Stehend:Peter Liessmann
Knieend: Silke Rackelbusch
Liegend: Mike Nikitin
Bevor es ernst wird: eine Episode am Rande
Zufall? Eine Episode am Rande...
Als ich im Frühjahr 2005 die Schauspielerin Maria Becker in Zürich besuchte, drückte sie mir beim Abschied eine Kassette mit Büchern in die Hand. Eine Gesamtausgabe von Tschechows Erzählungen. „ Mußt du lesen, wenn du Tschechow inszenierst, die sind wunderbar übersetzt.“ Ich schleppte die 12 Bücher per Flugzeug nach Jesteburg, und begann zu lesen.... und ließ mich genauso einfangen, wie Maria Becker es mir prophezeit hatte. Als Übersetzer zeichneten Ada Knipper und Gerhard Dick:
Ada Knipper, Anton Tschechows Schwägerin, eine Mitbegründerin des berühmten Moskauer Künstlertheaters, an dem auch der große Theaterpädagoge Stanislawski als Regisseur wirkte, wurde zur angesehensten Übersetzerin seiner Erzählungen, die noch heute in Taschenbuchausgaben vorliegen. Wir möchten an dieser Stelle daran erinnern, daß Ada Knipper, sowie ihre Tochter, die Filmschauspielerin Marina Ried und deren Mann Udo Langhoff ( Regie Pünktchen und Anton ) auf dem neuen Jesteburger Friedhof beigesetzt wurden.
Hätten wir mit unserer Entscheidung, Tschechow zur Eröffnung unserer Jesteburger Kammerspiele zu spielen, eine pointiertere Wahl treffen können? Wir hoffen, es ist ein gutes Zeichen für unsere weiteren Pläne.
Besonderen Dank an Kuddl Meier, der mich darauf hinwies.
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Inhalt
Unser Theaterabend setzt sich aus verschiedenen Einaktern von Anton Tschechow zusammen. Das hat Tradition. An den meisten Theatern werden Der Bär und Der Heiratsantrag an einem Abend gespielt, oft kommt noch ein drittes dazu, z. B: Der Schwanengesang oder Auf der langen Straße .
Ich habe mich für folgende Stücke entschieden:
Die Tragödie wider Willen ist die Geschichte eines verheirateten Mannes, der von seiner Frau, seiner Familie, aber auch allen Verwandten, Bekannten und Freunden ausgenutzt wird. Als einziger, der von seinem Sommerhaus, das er in den Sommermonaten bewohnt, zur Arbeit immer wieder in die Stadt muß, wird er mit Aufträgen so überladen, daß es ihn zu Selbstmordgedanken treibt. Für seine Sorgen hat niemand ein Ohr. Vor Verzweiflung darüber, daß er nur noch als Packesel, nicht mehr als Mensch wahrgenommen wird, irrt er durch die Gegend auf der Suche nach einem Revolver. Nur im Selbstmord sieht er eine Möglichkeit, seinem menschlichen Elend zu entkommen.
Der Heiratsantrag: Cubukov hat eine Tochter im heiratsfähigen Alter, aber bisher hat es noch nicht geklappt. Auf dem Land sind Bewerber rar. So freut er sich über alle Maßen, als sein Nachbar Stepan Lomov zu Besuch kommt, um um die Hand von Natalja zu bitten. Aber was so schön beginnt, gerät auf´s völlig falsche Gleis. Doch Lomov ist ein Mann von Prinzipien: Hauptsache, man hat sich entschlossen
Der Bär: Die Popova wurde vor 9 Monaten Witwe und hat sich entschlossen, ein Leben lang ihrem Mann treu zu bleiben. Mit ihrem Diener Luka lebt sie nun hinter geschlossenen Fenstern und Türen. Als sich eines Tages der Gutsbesitzer Smirnov Zutritt zu ihrem Haus verschafft, um Schulden zu kassieren, die Popov hinterlassen hat, fürchtet die Popova um ihre Grundsätze. Bereit diese zu verteidigen, entspinnt sich ein Kampf der Geschlechter.
So bewegt sich der Abend um das immer aktuelle Thema, dem sich wohl kein Mensch auf Dauer entziehen kann:
Liebesfreud und Liebesleid:
Aber: Ende gut – alles gut.
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Über den Autor Anton Cechov
Der russische Dichter Anton Tschechow wurde nach unserem Kalender am 29. Januar 1860* in Taganrog, Rußland, geboren. Mit 19 begann er in Moskau Medizin zu studieren und ein Jahr später wurde seine erste Kurzgeschichte veröffentlicht. Seine ersten Theaterstücke werden 1887 in Moskau uraufgeführt. Der Einakter Schwanengesang und das Drama Ivanov, ein Jahr später folgt der Einakter Der Bär-, dann der Heiratsantrag. Während dieser Zeit zeigt sich schon ein schweres Lungenleiden, das ihn immer wieder zu längeren Kuraufenthalten zwingt. Er arbeitet unermüdlich, schreibt Erzählungen und Theaterstücke. Die Möwe, Onkel Wanja, Drei Schwestern, Der Kirschgarten. Die meisten werden im berühmten Moskauer Künstlertheater uraufgeführt. 1902 heiratet er die Schauspielerin Olga Knipper, die am Künstlertheater die großen Frauenrollen in seinen Stücken verkörpert. Sein Lungenleiden verschlechtert sich rapide. Im Mai 1904 fährt er mit seiner Frau Olga zur Kur nach Deutschland. Er stirbt ( nach unserem Kalender ) am 15. Juli 1904`* nach mehreren Herzanfällen im Hotel Sommer in Badenweiler. Die Beisetzung fand einige Tage später in Moskau statt.
* Da der russische Kalender bis zur Umstellung im Jahre 1918 13 Tage hinter unserem zurücklag, variieren die Lebensdaten nach dem jeweiligen Kalender um diese Zeitspanne.
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Begegnung mit dem Tralala
Zu unserer Bearbeitung
Theater ist immer ein Versuch. Ein Dichter hat eine Geschichte geschrieben und ein anderer versucht, sich vorzustellen, wie das denn auf dem Theater aussehen könnte. Der russische Dichter Anton Tschechow ( 1860 – 1904 ), hat zwei wunderbare Einakter geschrieben, in denen er die aufregendsten Momente des menschlichen Daseins unter die Lupe nimmt: Die Liebe und das Zueinanderfinden. Er selbst schrieb darüber: Ach, wenn man (..) erfährt, daß ich Vaudevilles ( Komödien ) schreibe, wird man mich mit dem Bannfluch belegen. Aber was tun, wenn einem die Hände jucken und man Lust hat, irgendein Tralala zu verbrechen. So sehr ich mich bemühe, ernst zu sein, es wird einfach nichts daraus, und ewig wird sich bei mir das Ernste mit dem Banalen abwechseln. Das ist wohl mein Stern.
Mit unserer Theatergruppe haben wir versucht, diesem Tralala Gestalt zu geben. Tragödie wider Willen, Der Heiratsantrag und Der Bär heißen unsere Stücke, in denen immer wieder die Liebe zwischen Erfüllung und tiefer Enttäuschung die Menschen beutelt.
Dabei haben wir herausgefunden, daß man eine Geschichte so, aber auch ganz anders erzählen kann, auch das haben wir versucht, einmal zu zeigen.
Was passiert, wenn die Figuren von verschiedenen Darstellern gespielt werden, etwa, wenn es sich um die erste Liebe oder auf der anderen Seite vielleicht um die letzte Chance handelt? Für uns war dieses Experiment ein aufregendes Erlebnis, das uns den Geheimnissen des Theaterspielens ein bißchen näher brachte.
Und während die einen im Heiratsantrag und dem Bären auf der Suche nach dem Glück sind und voller Hoffnung, in den Hafen der Ehe einfahren zu können so hat Tolkacov, der Held aus Der Tragödie wider Willen längst seine Illusionen verloren. Er sieht sich nur noch als Packesel und sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit seinem unerträglichen Gefängnis zu entfliehen. So haben wir das
Stück in mehrere Teile geteilt und begleiten ihn den ganzen Abend auf seiner Flucht, auf der er allen Liebeshungrigen begegnet.
Wie es endet? Sehen Sie selbst...
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Norddeutsches Volkslied
Dat du min Leevsten büst,
dat du wull weest.
Kumm bi de Nacht, kumm bi de Nacht
Segg, wo du heest.
Kumm du um Mitternacht,
kumm du Klock een!
Vadder slöpt, Moder slöpt,
ik slaap alleen.
Klopp an de Kammerdör,
faat an de Klink!
Vadder meent, Moder meent,
Dat deit de Wind.
Wenn denn de Morgen kummt,
dann kreiht de Hahn
Leefster min, Leefster min,
dann mut du gahn.
Saachen den Gang entlang,
lies mit de Klink
Vadder meent, Moder meent,
Dat deit de Wind.
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