Peter Shaffer: AMADEUS

Ensemble AMADEUS auf Schloß Wiligrad, Schwerin, Gastspiel 2.6.2007

Peter Shaffer, Autor

Peter Shaffer wurde 1926 in Liverpool geboren. Er arbeitete in einer New Yorker Bibliothek und als Musikkritiker bei einer englischen Zeitung. 1958 wurde er mit seinem ersten Theaterstück > Fünffingerübung < bekannt. Weitere Stücke: > Hören Sie zu, geben Sie acht <; > Komödie im Dunkeln <; > Equus <. > Amadeus < wurde 1979 am National Theater in London uraufgeführt, die Deutschsprachige Erstaufführung fand 1981 am Wiener Burgtheater statt. Weitläufig bekannt wurde < Amadeus < durch den gleichnamigen Film den Milos Forman in den 80er Jahren inszenierte.

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AMADEUS

Inhaltsangabe

Das Stück erzählt die Geschichte um das Genie Mozart und dem damals sehr erfolgreichen, im großen Focus der Musikgeschichte jedoch mittelmäßig begabten Komponisten Antonio Salieri, der bei Shaffer in der Konfrontation mit dem Genie Mozart das eigene Mittelmaß erkennt und darüber in Konflikt gerät. Der Mann, der sich wünschte, „ wie ein Komet am Musikhimmel aufzustrahlen“ hadert mit seinem Gott, der ihm auferlegte, das Genie neben sich zu erkennen und zu ertragen. Salieri sucht laut Shaffer, nach einem Ausweg, sich auf ewig mit Mozarts Namen zu verbinden, und damit seinem Gott ein Schnäppchen zu schlagen, in dem er 32 Jahre nach dessen Tod behauptet, Mozart vergiftet zu haben...

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Aus dem Programmheft

Gedanken zum Stück

Als Peter Shaffers Stück AMADEUS am 2. November 1979 im National Theatre in London uraufgeführt wurde, gingen die Meinungen darüber weit auseinander, gab es doch nicht wenige Stimmen, die Shaffers Amadeus – Figur als „ überzeichnet“ verurteilten. Unmöglich konnte dieser Mozart, dieser flapsige Tölpel, der miauend auf dem Boden herumspringt und dem Fäkalausdrücke allzu leicht über die Lippen kommen, das angebetete Wunderkind, ja das Genie Wolfgang Amadeus Mozart wiederspiegeln. Die Mozart-Gemeinde war entsetzt. Shaffer war es mit einem Schlag gelungen, die „ Devotionalie“ Mozart vom Sockel der Anbetung und Vergötterung zu stoßen. Mozart menschelte plötzlich. Das war befremdlich und bedeutete Aufforderung zu neuer Annäherung. Zu Beschäftigung mit Quellen und Briefen, in denen die Bilder Shaffers doch tatsächlich so zu finden sind, natürlich unter Berücksichtigung der künstlerischen Freiheit des Autors.

 

„ Mozart“ hat Will Quadflieg mir einmal gesagt, als er sich gerade auf die Rolle des Salieri am Hamburger Thalia - Theater vorbereitete, „ Das kommt direkt von oben und wir müssen damit fertig werden „ Dabei hielt er die Hände über den Kopf und öffnet die Handflächen wie eine Lotusblume.

Damit hatte er mir die Prämisse des Stückes für immer ins Hirn gesenkt. Genie und Mittelmaß. Wir „ müssen essen, was Gott uns gibt.“ So viele Jahre später nun mache ich mich also auf die Suche nach „ meinem“ Mozart und nach „ meinem“ Salieri.

 

Können wir diesen Menschen Mozart überhaupt be-greifen? Ein Gehirn, das die komplexeste Musik fertig im Kopf hat, um sie „ nur“ noch niederschreiben zu „ brauchen“ oder zu „ müssen“, „Abzuschreiben“ wie es bei Shaffer heißt? Wie groß muß die Sehnsucht gewesen sein, sich wenigstens für Momente von diesem Druck zu befreien. Einen Moment loszulassen, die eigene Musik in sich selbst zu übertönen, um sich zu spüren, als Mann, als Mensch. Wie anders könnte sich diese Sehnsucht ausdrücken, als laut und in ihrer Art mindestens so extrem, wie seine Musik? Einmal nicht über den Geist, sondern über den Körper, über Albernheiten. Nicht reflektierend, immer handelnd. Ein Gehetzter, eine Kerze die an beiden Seiten entzündet wurde und folgerichtig vor der Zeit verglüht. Aber einer, der um seine Einzigartigkeit wusste oder zumindest ahnte. Der erst zu rebellieren begann, als das System seiner Kunst Fesseln anlegte. Einer, der ganz seiner Welt verhaftet war und sie nach seinen ureigensten Bedürfnissen wahrnahm und nutzte. Ein in allem, in seiner Musik, in seinem Verhalten Irritierender... Fremdbestimmt von Gottes Gnaden....

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War er´s oder war er´s nicht ? Mozarts Vergiftung durch Salieri – Das Gerücht

Der Salieri Schüler Moscheles besuchte mit Erlaubnis der 4 Töchter Salieris seinen Lehrer im Wiener Allgemeinen Krankenhaus und hinterließ folgenden Bericht: Das Wiedersehen war ein trauriges, denn schon sein Anblick entsetzte mich. Er sprach in abgebrochenen Sätzen ... zuletzt mit den Worten: „ Obgleich dies meine allerletzte Krankheit ist, so kann ich doch auf Treu und Glauben versichern, daß nichts Wahres an dem absurden Gerücht ist...“ ( R. Angermüller )

Dagegen spricht die Aussage Schindlers, der Beethoven gegenüber beteuerte, Salieri habe auf dem Krankenbett ausgesagt, Mozart vergiftet zu haben. Beethoven wollte dies aber nicht glauben.

Das Gerücht entstand zu Beginn des 19. Jhdts, wer es in die Welt gesetzt hat, ist nicht mit Sicherheit nachzuvollziehen. Es wird behauptet Salieri hätte sich gegen Ende seines Lebens, bezichtigt, Mozart vergiftet zu haben. Schon bald wurde das Thema von Literaten und Dichtern aufgegriffen. So hat Alexander Puschkin in seiner Tragödie > Mozart und Salieri < ( 1830 ) erheblich zur Legendenbildung beigetragen. Allerdings steht auf dem Autograph noch der Titel > Neid <. Sicher liegt hier der große Reiz für das immer wieder erneute literarische Aufgreifen des Stoffes. Neid. Die Wurzel so vielen Übels läßt sich an dem Nebeneinander Salieri – Mozart mit großer Publikumswirksamkeit aufzeigen. Salieris Konflikt, das Hadern mit seinem Gott, ist der Faden, dem wir folgen sollen, ob er´s nun war – oder nicht.

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