Ernst Barlach: Die Lauschenden
Die Lauschenden
Gedicht
für
9 Sprechstimmen
und
1 Erzähler
Begegnung mit
Symphonie Nr 9, d-moll, op. 125
von
Ludwig van Beethoven
und dem
Fries der Lauschenden
von
Ernst Barlach
Dauer:
ca 2.15 Std 1 Pause
Preis auf Anfrage
Es liest:
Mitglieder der Jesteburger Kammerspiele
10 Mitwirkende
Für diese Lesung wird die Symphonie Nr 9, d-moll, op 125 von Ludwig van Beethoven vom Band eingespielt. GEMA!!!
Textprobe DIE LAUSCHENDEN
Beispiel 1
ES SCHEINT; ALS WÄREN WIR MITEINANDER...
die Träumende dort; der Gläubige, gleich hinter ihr, die Tänzerin, in wehendes Gewand gehüllt. Der Blinde, weit hinten im Saal entdecke ich ihn. Der Wanderer, an die Säule gelehnt, auf dem Balkon über ihm. Die Pilgerin dahinter, schon vor Beginn entrückt in ihre so eigene Welt. Der Empfindsame, ganz vorn, alle Bedrohung zu großer Nähe der anderen hinter sich lassend. Neben ihm einer mit beseeltem Gesicht, der Begnadete wohl, der seinen Platz im großen Weltengetummel erkannt hat und schließlich, mit leuchtendem Auge und rosigem Gesicht, in sich ruhend, die Erwartende, dem neuen Leben in ihr ganz zugewandt. So viele mehr noch - und ich - unter all diesen wohl der irrende Narr ...
Text-Beispiel 2
1. Satz Allegro, ma non troppo, un poco maestoso
Die kurze Einleitung, die leeren Quinten, die im Pianissimo der Hörner und der diffus vibrierenden 2. Violinen erklingen, entzieht mich der Gemeinschaft. Ich lasse mich treiben, sotto voce, von ihnen, den leerklingenden, heimatlosen, terzlosen – hinaus, weit hinaus auf´s offene Meer. Auf der Suche nach dem Ziel bleibt jeder sich selbst überlassen. Ich lasse es zu, im Nebel zu versinken, um hineinzuwachsen in das Mächtige, das mich erwartet. Zu gleiten aus diesem wabernden Nichts, dieser tönenden Leere der herabfallenden Quinten und Quarten ins Chaos irdischer Existenz. Ich möchte sie begreifen, diese Existenz, möchte sie begreifen lernen in all ihren Formen. Möchte sie begreifen lernen, diese vielen Leben, die hier mit mir sind. Möchte sie begreifen lernen, diese Musik, die mir scheint, als hätte sie uns begriffen. Und lang schon durchschaut...