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Maria Becker
Wer sie kennt, kann es kaum glauben und sie selbst am allerwenigsten.
"Stell Dir vor, 90! 90! Das müßte doch verboten werden."
empörte sie sich, als wir Weihnachten telefonierten. Wenige Stunden zuvor, wohl zu der "halben Nacht", war sie zum erstenmal Urgroßmutter geworden. Urenkel Nr 2 sollten nur wenige Stunden später folgen.
Aber nein, Urgroßmütter stellt man sich ganz anders vor.
Maria Becker, diese große, wunderbare, seit Kindertagen von mir verehrte Schauspielerin, kriegt es fertig, Ende November schnell mal für eine Vorstellung in Itzehoe, von Zürich nach Hamburg zu reisen und am nächsten Tag zurück. Im Auto.
Es gibt wohl kaum eines der großen Theater deutscher Zunge, an denen sie nicht die ganz großen Rollen der Weltliteratur gespielt hat.Medea, Elektra, die Buhlschaft im Salzburger Jedermann. In Hamburg, München, Salzburg. Vor allem aber an ihrem Haus, dem Zürcher Schauspielhaus, wohin das Kriegsgeschehen sie bereits in den 40er Jahren ziehen ließ. Da war sie noch nicht einmal 20 Jahre jung.
In Hamburg spielte sie zuletzt am Ernst Deutsch Theater in den Gespenstern.
Den Jesteburger Kammerspielen gab sie im Mozart-Jahr 2006 die Ehre. Sie las in der Bossard-Kunststätte Mörikes Novelle: Mozart auf der Reise nach Prag. Damit waren wir gemeinsam in der Opera Stabile der Hamburgischen Staatsoper zu Gast und ich war sehr, sehr glücklich über unsere Freundschaft.
Ja, sie spielt nach wie vor Theater, hält immer wieder Lesungen und ist voller Tatendrang. Wunderbar neugierig auf alle Menschen, mit denen sie zusammentrifft.
Am 28. Januar 2010 wird sie tatsächlich 90 Jahre und das Zürcher Schauspielhaus gibt ihr zu Ehren einen großen Gala-Abend.
Das Ensemble der Jesteburger Kammerspiele gratuliert von ganzem Herzen und wenn ich mich am 27.01.2010 nach unserer Premiere der FRAU OHNE SCHATTEN auf den Weg nach Zürich mache, wird es in meinem Gepäck eine Flasche Sekt mit Jesteburger Label geben und eine Urkunde zum 90sten, von Bürgermeister Heitmann unterschrieben, wie es sich halt für " Jesteburger" gehört. Und das ist jemand, der noch immer dem Antik-Café aufrichtig nachtrauert, ganz sicher.
Loretta Wollenberg
PS: Einen Video-Ausschnitt der Jesteburger Lesung von Maria Becker finden Sie in unserer Mediathek