Das Wolferl in der Heide

Spaßig: Jesteburger Kammerspiele mit "Mozart op Besoek in Jesborg"


Von Tore Harmening, Harburger Anzeigen und Nachrichten
Jesteburg. Ein kleines Problem hatte Organisatorin Loretta Wollenberg zum Auftakt der Reihe Mozart im Jesteburg: Sie hatte nicht genug Stühle. "Mit diesem Zuspruch habe ich nicht gerechnet", sagte sie. Gut 120 Besucher waren in das Heimathaus in Jesteburg gekommen, um das Stück "Mozart op Besoek in Jesborg" der Jesteburger Kammerspiele zu sehen.
Berichtet wurde über den 27. Januar 1768, als die Familie Mozart Jesteburg einen Besuch zu später Abendstunde abstattet. Stilecht kamen Leopold Mozart (gespielt von Josca Pintschovius), seine Frau Anna (Iris Schoof), Nannerl (Pia Schell) und natürlich "der Bub, das Wolferl" (Samuel Vollmert), wie der Vater seinen Wunderknaben vorstellte, mit einer Postkutsche vor dem Heimathaus an.
Samuel Vollmert hatte am Freitag ebenso wie das Musikgenie Geburtstag wenn auch erst den zwölften und nicht den 250. Den Zuschauern bewies er auch gleich, daß er ebenso wie der junge Mozart über großes musikalisches Talent verfügt. Locker und leicht klangen Stücke von Bach, Debussy und natürlich Mozart und das Publikum war beeindruckt.
Die bunte Geschichte von diesem wundersamen Abend des 27. Januars 1768 war angereichert mit zahlreichen Beiträgen der lokalen Vereine. Mit dabei waren unter anderem das Blasorchester des Jesteburger Schützenvereins, der Spinnkreis und die Tanzgruppe der Jesteburger Landfrauen.
Dazu gab es ein wenig zur Geschichte des Ortes und Berichte aus der Zeit von Wolfgang Amadeus Mozart. Das war allerdings keineswegs trocken. So mußten viele schmunzeln, als Loretta Wollenberg über die Feierfreude der Jesteburger berichtete: "Lieber eine Beerdigung in Jesteburg als eine Hochzeit in Ohlendorf hieß es damals." Lächeln auch bei Hans-Josca Pintschovius, der die Besucher mit einem Reisebericht von Johann Caspar Riesbeck aus dem 18. Jahrhundert unterhielt. "Die Heide ist so ohne Ecken und Kanten, man könnte, wenn man blind wäre, tagelang laufen ohne irgendwo anzustoßen", trug er dem Publikum vor. Noch schlimmer aber seien die Bayern, bei "denen ich ein Mädchen sah, das in der einen Hand den Rosenkranz, in der anderen das Gemächt eines Pfaffen hielt".
Eine wundersame Geschichte der Mozarts, die mit den Fakten über Jesteburg verwoben wurde. Eines stellte Loretta Wollenberg aber gleich zu Anfang fest: Mozart ist nie in Jesteburg gewesen." An diesem Abend war er es aber doch.
Das Werk des Wunderkinds wurde am Sonnabend noch mehr in den Mittelpunkt gerückt. Da nämlich waren drei Schüler der Wolfgang Sawallisch-Stiftung aus Grassau zu Gast im Heimathaus, um für die Jesteburger zu spielen. Ein runder Geburtstag.